Boulevard, junge Profis – und die immer gleiche Falle



Ich habe diese Situation unzählige Male erlebt.
Aus nächster Nähe.
Als Medienverantwortlicher im Profifußball.

Junge Spieler werden gezielt nach ihrem Traumverein gefragt.
Nicht aus Neugier – sondern wegen der Schlagzeile.

Auslöser der aktuellen Debatte ist die Aussage des 17-jährigen Bayern-Talents Lennart Karl, der auf eine Fan-Frage nach seinem Traumverein offen Real Madrid nannte – und damit eine Dynamik auslöste, die weder seiner Entwicklung noch dem Umfeld beim FC Bayern München wirklich hilft.

Und ja:
Auch trotz klaren Briefings lassen sich junge Profis locken.

Ein Satz zu ehrlich.
Ein Moment zu unbedacht.

Die Folgen sind fast immer dieselben:
• tagelange mediale Aufruhr
• Missstimmung bei Fans
• Unruhe im Klub

Und irgendwann fällt der Satz, den jeder Kommunikationschef kennt:
„Mach das weg.“

Am Ende ist oft der Medienmann des Klubs der Buhmann.

Unabhängig davon, wie sauber die Vorbereitung war.

Ich erinnere mich deshalb besonders gern an einen Spieler,
der dieser Mechanik als junges Talent konsequent widerstanden hat: Niklas Süle.

Auf die Frage „Hast du nicht den Traum, mal bei einem großen Verein zu spielen?“ antwortete er:

„Ich bin stolz, in der Bundesliga zu spielen. Um bei einem großen Verein zu spielen, muss man ein großer Spieler sein – und das erfordert noch viel Arbeit.“


Kommunikativ perfekt.
Aber eben auch gelernt.

Und genau da liegt das Dilemma.

Denn natürlich ist es völlig normal, dass junge Fußballer von ruhmreichen Klubs träumen. Problematisch ist nicht der Traum. Problematisch ist, dass man ihn öffentlich nicht aussprechen darf, ohne sofort angezählt zu werden.

Vielleicht sollten wir weniger Empörung produzieren
und mehr akzeptieren, dass Träume Teil von Entwicklung sind.

Gerade bei 17-Jährigen.


Entdecke mehr von HolgerKliem.com

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar